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Wildes Mändle mit Kelch
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Die Bühne vor dem Auftritt
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Die Musiker
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Der Wilde Mändle Tanz

Ihre Oberstdorf Resort Gastgeber von Ihre Gastgeber am 25.08.2015

Dieses Jahr ist es wieder soweit: die Wilde Mändle trauen sich wieder auf die Bühne und tanzen in der Oybele-Festhalle in Oberstdorf! Am 05. und 26. September können Sie dieses mystische Schauspiel des Allgäuer Brauchtums noch hautnah miterleben.

Ein mystischer Tanz

Alle 5 Jahre tanzen sie, die Wilde Mändle. Doch was genau verbirgt sich hinter den hüpfenden Männern in der seltsamen Verkleidung? Wir sind dem Geheimnis für Sie auf die Spur gegangen und sind der Meinung: Wilde Mändle sind ein Teil unserer Kultur und jeder sollte sie einmal sehen und verstehen. Bei letzterem möchten wir Ihnen mit diesem kleinen Beitrag etwas helfen, da die Kunst der wilden Männer dann doch nicht so ganz leicht zu deuten ist.

Sage oder Realität?

Es ist nicht ganz einfach zu erklären, woher die Wilde Mändle kommen, da sich die Erzählungen über sie widersprechen. Die einen sagen, sie wären ein bloßer Mythos, die anderen behaupten, sie wären während des Pestausbruchs entstanden und hätten diese besiegt und wieder andere erzählen, dass sie schlicht und einfach „Überbleibsel“ der Allgäuer Urbevölkerung seien (letztere Theorie ist allerdings am verbreitetsten).

Jedenfalls kann gesagt werden, dass die ursprünglichen Mändle im Gegensatz zu den sonst groß gewachsenen Germanen eher von kleinerer Gestalt gewesen sein müssen, denn daraus ist die Verniedlichung in ihrem Namen „Mändle“ entstanden. Der Namenszusatz „Wild“ jedoch entspricht so gar nicht dem typischen Verhaltensmuster der damaligen Mändle: sie waren nicht wild, sondern ganz im Gegenteil sehr scheue, hilfreiche und friedliche Bewohner der Allgäuer Bergschluchten.

Fakt jedoch ist, dass die Wilde Mändle einst im gesamten Alpenraum verbreitet waren und die Tradition heutzutage lediglich in Oberstdorf am Leben erhalten wird!

Ein natürliches Kostüm…

… das tragen die scheuen Zeitgenossen in der Tat. Sie sind bis auf die Augen mit Tannenbart verkleidet, das ist eine Art der Moosflechte, die ausschließlich in höheren Bergregionen und mittlerweile immer seltener vorkommt. Sie tragen einen Gürtel aus Tannenzweigen (den sogenannten Daasgürtel), der sie vor Dämonen und Geistern beschützen soll. Und zu guter Letzt sitzt ganz oben auf dem Mändle, also auf seinem Kopf, ein Kranz aus Stechpalmen. Dieser schützt die Wesen vor Blitzen und heftigen Unwettern.

Sowohl das Kostüm der Männer als auch ihr gesamtes Verhalten soll ihnen dabei helfen, die Verbindung zu den geheimnisvollen Kräften der Natur, der Sternenwelt, der Sonne und den Göttern aufzunehmen und deren Kräfte positiv für die Menschen zu beeinflussen.

Der Wilde Mändle Tanz

Die erste vollständige Beschreibung des Tanzes erschien 615 n. Chr. Traditionell sind nur Männer an dem Geschehen beteiligt, da die einzelnen Figuren ein absoluter Kraftakt sind, welcher Frauen früher nicht zugemutet werden sollte.

Seit 1901 hat der Trachtenverein Oberstdorf den Tanz in festen Händen und damals wie heute ist es eine Ehre für alle Wilde Mändle, dabei zu sein. Seit 1928 findet der germanische Kulttanz alle 5 Jahre in Oberstdorf statt. Früher wurden die Tänzer von Holzpfeifen, Bockhörnern und Trommeln begleitet, heute ist es eine Blechmusikkapelle, die die altertümliche Musik mit ihren einfachen Melodien und ausgeprägten Rhythmen spielt.

Betrachtet man den Tanz der Mändle ohne sich genauer darüber zu informieren, mag er eher wie ein lustiges Gehopse mit Akrobatikeinlagen in wunderlichen Kostümen aussehen. Aber dem ist definitiv nicht so, wenn man weiß, worum es geht!
Denn der Tanz erinnert zu allererst an das ursprüngliche Wesen der Mändle: plötzlich tauchen sie hinter einem Stein auf, um genauso schnell wieder hinter einer Tanne zu verschwinden. Das vorsichtige Auskundschaften, das Gebärdenspiel und die hüpfende Gangart erinnern an die „Ur-Wesen“.

Aber nicht nur die Gangart der Wilde Mändle ist eine Beschreibung ihrer selbst, auch jede einzelne der 17 Figuren aus denen ihr Tanz besteht, erläutern ihre Auffassung der Welt und die Hingabe zu ihrem Gott Thor, welcher als der höchste germanische Gott beschrieben wird. Daher bestehen viele der Figuren aus der bildlichen Darstellung von Runen.

Nur langsam trauen sich die Mändle auf die Bühne. Dann aber tanzen sie in einer ersten Figur den menschlichen Ursprung im Göttlichen, stellen die Nacht- und Todesrune und den Lauf von Sonne und Erde in einem Jahr dar und werden am Schluss mit ihrem Gott im Wesen vereint. Alle 17 Figuren erklären wir Ihnen am Ende dieses Blogs.

Besonders an diesem Schauspiel ist, dass die Mändle auf die Bühne springen, eine Figur tanzen und so schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. So läuft die Darstellung aller 17 Figuren ab, jedoch steigert sich der Schwierigkeitsgrad der akrobatischen Leistungen von Mal zu Mal.

Ein Lied zum Schluss

Am Ende ihrer Aufführung singen die Wilde Mändle für ihr Publikum noch ein Lied, welches (genau wie auch der Tanz und die Kostüme) über viele Jahrhunderte überliefert worden ist.

Zum Schluss kann nur eines gesagt werden: Das, was bei den Wilde Mändle auf der Bühne passiert, kann nur schwer in Worte gefasst werden, man muss es eben selbst erleben! Also seien Sie dabei am 05. und 26. September 2015 und machen Sie sich ein Bild von den sagenhaften Wilde Mändle!

ACHTUNG: Während des gesamten Auftritts der Wilde Mändle herrscht seit jeher ein strenges Verbot für die Erstellung von Foto- oder Videoaufnahmen, da der Oberstdorfer Trachtenverein diesen Brauch schützen möchte. Arthur Schult aus ‚Blätter zur Oberstdorfer Heimatkunde‘:
„Oberstdorf hütet in diesem Kulttanz ältestes deutsches Kulturgut, ein heiliges Vermächtnis unserer Ahnen, für das ihm ganz Deutschland dankbar sein muss.“

Die Deutung der einzelnen Figuren

FigurWas passiertWas es bedeutet
1scheue Mändle kommen langsam auf die BühneFe-Rune = Rune des jugendlichen Gottes Freyer
2zwei Reihen gegenüber, Zusammenklatschen der HändeUr-Rune = menschlicher Ursprung im Göttlichen
3Schwingen der Beine in gerader ReiheNot- und Ar-Rune= gegensätzliche Kräfte, die den Menschen beeinflussen
4Bewegen der Köpfe und Frontlinie, taktmäßige Kopfbewegungen, ArmläutenI-Rune = Hinabströmen der Kräfte von oben nach unten und H-Rune= schützender Hag des Weltalls
5hinter einander stehend mit schwingenden Daaskränzendem Gott Thor gewidmet
6KopfstandNacht- und Todesrune (umgekehrtes Y) = Absterben der Natur im Herbst
7kleine Pyramideniedriger Lauf der Sonne im Winterhalbjahr
8hinter einander stehen in Form eines Baumes und Beine schwingenJahres- oder Lebensbaum
9auf dem Kopf stehend, im Kreiskleiner Winterkreislauf der Sonne
10Zirkeltanz mit zwei Kreisen, die sich in entgegengesetzte Richtungen bewegenTagesdrehung und Jahresbahn der Sonne
11große PyramideSommerberg
12Aufstellung der Tafeln, die auf einer Seite Mändle-Köpfe, auf der anderen Seite Thor zeigen, rhythmische BewegungenThor befindet sich überall
13Tafeln werden umgedreht und zusammen gesteckt und ergeben ein großes Abbild von Thor, Tanz im Kreis um das Bild, VerneigungThors Huldigung
14Glockenbildungerneute Weihehandlung für Thor
15Keulenkampf, der mit friedlichen Reigen endetRingen des Lichts über die Finsternis
16Darstellung des großen Altars mit allen 13 TänzernAltar für Thor
17Schlussszene: 12 Wilde Mändle erscheinen mit einem hölzernen Becher und bekommen von ihrem König, dem 13. Mändle etwas zu trinken12 stellen die Tierkreiszeichen dar, der 13. ist der König Thor, die Verkörperung der Sonne. Die 12 Mändle erhalten nun von ihrem König das Getränk Jul-Met, welches die Wesenseinigung zwischen Gott und Mensch symbolisiert
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